Schubkarrenrennen

 

Diese Schilderung ist nicht mehr aktuell, da das Rennen inzwischen einen völlig anderen Streckenverlauf hat. Aber ich lasse sie trotzdem drin…

Das Haardter Schubkarrenrennen am 20.05.2004

Haardt ist ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße. Jedes Jahr findet hier am Fest Christi Himmelfahrt ein nicht alltägliches Rennen statt. Dieses Rennen bildet den Abschluss des Haardter Weinfestes.

Am 20.Mai 2004 nahmen insgesamt 162 Läufer an dem Rennen teil – eine Rekordbeteiligung. Ursprünglich waren 8 Läufe mit jeweils 9 Teams geplant, durch den großen Ansturm wurde ein weiterer Lauf mit 9 Teams notwendig. Die Außentemperatur betrug 28 Grad im Schatten…

Karikatur

So sieht das Rennen aus der Sicht eines Karikaturisten aus – lustig, aber durchaus zutreffend, denn die Realität ist damit recht gut getroffen. Die Regeln sind einfach und für jeden nachvollziehbar: Jeweils zwei Personen bilden ein Team und versuchen, a) in möglichst kurzer Zeit b) möglichst viel Wasser über die Rennstrecke ins Ziel zu bringen.

Der Schubkarren

Schubkarren

AAAAABER: Das Transportgefährt ist ein Holzschubkarren mit Eisenreifen, das Wasser befindet sich in einem ungesicherten 10-Liter-Traubeneimer und die Rennstrecke ist mit allerlei Tücken und Schikanen versehen.

Die Strecke

Start

Der Start befindet sich am Fuß einer 250 Meter langen Steigung, die zu allem Übel mit diversen Schlaglöchern gespickt ist. Dazu kommt noch, dass neun Teams gleichzeitig starten und sich dadurch gegenseitig behindern!

Baumstamm

Hat man die Steigung geschafft, wird man von einem quer über die Straße gelegten Baumstamm erwartet, über den der Schubkarren mitsamt dem Wassereimer gehoben werden muss. Natürlich gehen auf diesen ersten Metern schon etliche Liter Wasser unwiederbringlich verloren…

Weitere Hindernisse

Wippe

Wer jetzt glaubt, er hätte das Schlimmste schon überstanden, täuscht sich gewaltig. Nach weiteren rund 250 Metern wartet schon das nächste Hindernis: eine Wippe! Ganz klar, dass auch hierbei nicht unwesentliche Mengen der kostbaren Flüssigkeit auf der Strecke bleiben.

Balancierbalken

Nach so viel Unbill kann es (eigentlich) nur noch besser werden, aber siehe da: ein weiteres Hindernis sorgt dafür, dass es den Läufern nicht zu wohl wird, denn jetzt gilt es mitsamt dem Schubkarren über einen drei Meter langen handbreiten Balken zu balancieren.

Der Zieleinlauf

Ziel

Aber jetzt! Es wird tatsächlich besser, denn es gilt jetzt „nur“ noch, weitere etwa 800 Meter zu laufen bis endlich das Ziel der 1500 Meter langen Rennstrecke erreicht ist. Jetzt kann gemessen werden: Die Zeit des letzten (!) Läufers aus dem Team wird gestoppt, der Wasserstand im Eimer mit einem Zollstock bestimmt und aus beiden Werten ein amtliches Resultat gebildet. (Ein Millimeter Wasser entspricht in der Wertung drei Sekunden Laufzeit – dadurch können langsame Läufer mit viel Wasser im Eimer besser sein als schnelle Läufer mit leerem Eimer!)

Und so erging es mir/uns

Dieter, mein ursprünglich geplanter Partner, fiel kurzfristig aus. Er wurde allerdings durch seine Frau Sandra vertreten. Sie nahm zum ersten Mal bei dem Rennen teil, und auch sonst waren wir noch nie zusammen gelaufen – es war also durchaus spannend für uns beide! Vor dem Rennen waren wir beide noch einigermaßen relaxed:

Sandra ichIch schiebe Sandra

Wir blödelten etwas herum und nahmen schon einmal Maß mit dem Karren.

Wie lief es?

Beim Start hatten wir das Pech, in der dritten Startreihe zu stehen. Hier geht es zu wie in der Formel 1: Um die Pole Position wird teilweise heftig gefightet, und das wollten wir uns nicht antun. Wir hatten also schon beim Start sieben Schubkarren vor uns, was sich als schwerer Fehler erwies. Ich kam nämlich am Berg partout nicht vorbei, obwohl wir gerne mehr Tempo gemacht hätten. (Als echter Kavalier und Gentleman habe selbstverständlich ICH den Karren den Berg hinauf geschoben, schließlich sind da schon einige Kilos zu bewegen…) Bis oben hatten wir dann allerdings gut aufgeholt, und der Eimer war sogar noch fast voll. Auch den Baumstamm meisterten wir mit Bravour – aber dann begann das Unglück.

Irgendwie brachte ich es fertig, auf dem nahezu ebenen Stück zwischen dem Baumstamm und der Wippe etwa 60 Prozent unseres Wassers zu verlieren! Ich muss wohl eine Unebenheit in der Straße übersehen haben, auf jeden Fall begann das Wasser urplötzlich heftig zu schwappen und wollte sich nicht mehr beruhigen. Ein möglicherweise rennentscheidender Fehler!

Der Wechsel

Vor dem Wechsel

Ich hatte den Karren jetzt schon rund 500 Meter weit geschoben. Allerdings mit einem cleveren Gedanken im Hinterkopf: Da ich in gewissen Dingen eher etwas grobmotorisch veranlagt bin überließ ich das Feld jetzt meiner Mitläuferin Sandra. Kurz vor der Wippe wechselten wir, und sie übernahm die beiden Hindernisse, die jetzt auf uns warteten.

Die Wippe

Auf der Wippe

(Wir waren wohl nicht allein mit dem Wasserverlust – man beachte die feuchte Spur, die von links hinten zur Wippe führt…)

Wippe geschafft

Geschafft! Sandra meisterte die Wippe bravourös und ohne weitere Wasserverluste – das Wasser auf der Wippe war von einem Team vor uns. Also kein Grund zur Besorgnis!

Sandra hatte jetzt „Blut geleckt“. Sie blieb am Steuer und rannte beherzt weiter zum nächsten Hindernis – dem Balancierbalken.

Der Balken

Auf dem Balken

Gar nicht so einfach, wenn der Untergrund nur wenig breiter ist als der Reifen! Man kommt sich ein bisschen so vor wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein… Aber durch perfekte Spurführung von Sandra und ein bisschen Handanlegen meinerseits konnten wir auch diese Hürde meistern.

Der Rest der Strecke

Jetzt war die Reihe wieder an mir. Von hier bis ins Ziel übernahm ich wieder das Schieben, da mein Kampfgewicht doch deutlich höher liegt als das meiner Partnerin (rund 30 kg * schäm *) und dies einen nicht zu unterschätzenden Vorteil im Kampf mit dem klobigen Gefährt darstellt. Da der Wasserstand durch meinen Fauxpas sowieso nur noch marginal war, ließen wir es jetzt kräftig laufen und überholten bis ins Ziel sogar noch zwei andere Teams.

Die Stunde der Wahrheit war gekommen: Unsere Zeit war gar nicht übel. Für die 1500 Meter hatten wir 8 Minuten und 54 Sekunden gebraucht, aber (wie bereits befürchtet) mit nur noch 49 Millimetern Wasser im Eimer war kein großer Blumentopf mehr zu holen.

Die Siegerehrung

Siegerehrung

Bis zur Siegerehrung hatten wir noch reichlich Zeit, wir waren um 15:12 Uhr gestartet (2.Lauf) und die Siegerehrung beginnt traditionell um 18:00 Uhr. Also nutzten wir die Zeit zum Duschen, Umziehen und Kaffeetrinken.

Und siehe da: Wir waren nicht Letzter geworden! Von 81 teilnehmenden Teams erreichten wir Platz 69 – für ein völlig untrainiertes und nicht eingespieltes Team eine ganz gute Leistung. Es reichte immerhin für zwei Flaschen Wein und eine Rose als Preis…

Und wie geht’s weiter?

Die Champions

Sandra war so begeistert davon, dass sie sich später mit den Worten „nächstes Jahr trainieren wir aber vorher“ von mir verabschiedete. Und dann werden wir alle in Grund und Boden rennen 😉 !

Das sind die Sieger im nächsten Jahr!

  One Response to “Schubkarrenrennen”

  1. Dieses Jahr war ich zum zichten mal beim Schuppkarrenrennen und werde in 2012 wieder da sein. Ich habe jetzt endlich mein Schuppkarrenrennen T-Shirt. Vor etwa 22 Jahre habe ich als ältester „“Aussengeländer“‚ teilgenommen und war natürlich Letzter. Das was ich vermisse ist das damals tolle Weinlokal von Oskar Klohr und seine Frau. Wenn ihr ihm mal begegnet grüsst ihm mal von mir. Sag einfach von Jan de Miederhändler. Ich wünsche viel Erfolg und hoffentlich ein angenehmes Wetter beim Schuppkarrenrennen 2012.